Tür der Gerechtigkeit

Tür der Gerechtigkeit

Diakonie Pfalz | Haus der Diakonie Neustadt | Kinderschutzdienst
Kinder- und Jugendhilfe
Rheinland-Pfalz
Tür der Gerechtigkeit Die Tür der Gerechtigkeit wurde im Haus der Diakonie Neustadt im Rahmen der Gruppenarbeit des Kinderschutzdienstes mit Mädchen im Alter von 13 bis 15 Jahren gestaltet. Die kreative Gruppe stellt sich vor: Die Mädchengruppe entstand Ende 2016 nach einer Wochenendfreizeit, in der die Mädchen sich kennengelernt haben. Schon während der Freizeit wurde erkennbar, dass die Mädchen ähnliche Themen beschäftigen. Die Gruppe ist international - multikulturell (3 deutsche Mädchen, 4 Mädchen aus Afrika, Polen, Aserbeidschan). Die Mädchen mit Migrationshintergrund sind unterschiedlich lange in Deutschland. Alle Mädchen in der Gruppe haben eine Form von Gewalt durch Erwachsene erlebt. Innerhalb der Gruppe gehen die Mädchen sehr zwanglos miteinander um; Aussehen, Hautfarbe, Nationalität spielen im Kontakt untereinander keine Rolle. Die in der Gruppearbeit entstehenden Konflikte sind altersspezifisch und bisher selten. Sie konnten in der Gruppenarbeit aufgefangen und konstruktiv gelöst werden. Anfang des Jahres bekamen wir eine alte Tür gespendet, sodass wir uns noch recht kurzfristig an dem Türprojekt beteiligt haben. Als wir den Vorschlag in der Mädchengruppe einbrachten, waren diese sofort begeistert und die Ideen sprühten. In einem ersten Schritt sammelten die Mädchen Erfahrungen, was sie als gerecht oder ungerecht empfinden. Wir haben alle Aspekte gewürdigt und in Entwürfen festgehalten. Aus der Vielfalt dieses angeregten Austausches hat die Gruppe diejenigen Entwürfe ausgewählt, die für sie am interessantesten und wichtigsten waren. Künstlerische Umsetzung: Die Entstehung der sechs Kreise: Die Themen, die die Jugendlichen mit Gerechtigkeit assoziieren, haben nach unserer Einschätzung stark mit dem Migrationshintergrund einiger Mädchen zu tun, sowie mit der Erfahrung von Gewalt und drohender Abschiebung. Sehr schnell war klar, dass Frieden, Meinungsfreiheit, ein gesichertes Einkommen, Schule und Bildung nicht überall selbstverständlich sind. Die wahrgenommene Ungerechtigkeit in der Welt spiegelt sich in den ausgewählten Themenpaaren wider:  Krieg /Gewalt – Frieden/Respekt  Reichtum /Überfluss – Armut /Hunger  Meinungsfreiheit /Selbstbestimmung – Verbote/Unterdrückung. Jedes dieser sechs Themen wird in die Türgestaltung aufgenommen und in jeweils einem Kreis symbolisch dargestellt. Bei der Darstellung der gewählten Motive wurden eigene Entwürfe gemalt, passende Fotos gesucht und bearbeitet, sodass eine vielfältige Gestaltung möglich wurde. Künstlerische Umsetzung: Die Entstehung des Hintergrundes und Anordnung der Kreise: Die Anordnung der einzelnen Kreise in elliptischer Form soll an eine Weltkugel erinnern, d.h. alles kann passieren bzw. passiert überall auf der Welt mehr oder weniger heftig. Die Hintergrundfarbe blau wird ebenfalls mit unserem blauen Planeten verbunden. Es ist im Bewusstsein, dass die Themen nicht nur einzelne Menschen der Gruppe oder aus einzelnen Ländern betreffen, sondern dass es weltumspannende Gegensätze sind. Dabei gibt es „dunkle“ und „hellere“ Aspekte, die im Farbverlauf von dunkelblau nach hellblau symbolisiert sind. Der Wunsch nach einem sicheren Ort, einer sicheren Welt ist bei allen Mädchen stark zu spüren. Der helle Bereich ist eindeutig das Ziel, welches die Jugendlichen erstrebenswert für unsere Welt finden. Künstlerische Umsetzung: Textebene: Dem Satz „Alle Menschen sind gleich!?“ können die Mädchen ohne wenn und aber zustimmen. Allen fallen viele Beispiele ein, wo dieser Satz nicht gilt oder beachtet wird. Das Ausrufezeichen bekräftigt die Botschaft des Satzes, und das Fragezeichen steht für die Ungerechtigkeiten dieser Welt. Künstlerische Umsetzung: Ebene Vernetzung Mit dem Netz wird die Zweidimensionalität der bisherigen Darstellung gesprengt. Ein Netz wird über die Welt gespannt, es verbindet die Themen und Menschen. Alles hängt miteinander zusammen und bedingt sich gegenseitig. Über das bisher Dargestellte hinaus erleben sich die Gruppenmitglieder als voneinander abhängig , als miteinander verbunden, als gemeinsam Gestaltende in unserer Welt. So wie die Gemeinsamkeit in der Mädchengruppe für sie Verständnis, Verständigung, Respekt und Wertschätzung erlebbar macht, wird ihnen bewusst, dass es auf sie und jede Handlung als Gestalterinnen der Zukunft ankommt. Das Netz mit den Menschen, welches die Tür überspannt, wird von der Gruppe als Symbol gesehen, dass alles miteinander im Zusammenhang steht und sich gegenseitig bedingt. Jutta Diehl, Haus der Diakonie Neustadt - Kinderschutzdienst